Jahrbuch_HOH_2022-2023

Portrait: Ansgar Brunzel Schuljahr 2022/2023 65 SCHULE ckeln.“ Ohne die Unterstützung in Hohenwehrda, auch durch den Kunstpädagogen Jens Terlinden, „hätte ich nie die Möglichkeit bekommen, meine Bewerbungsmappe zu erstellen. Herr Terlinden ist einer der Gründe, warum ich hiergeblieben bin. Er stellt mir eine Leinwand hin und sagt: Probiere dich aus‘“. Die Mühe lohnt, trotz der Absagen der Kunstakademien in Braunschweig und Berlin. Nürnberg sagt zu, Münster auch. Dort wird Ansgar studieren. Als er die Zusage der Münsteraner Hochschule per Mail erhält, hat Ansgar gerade Sport. Nach Sport steht Musik auf dem Stundenplan. Herr Jung bietet Ansgar an, er solle erstmal mit seinen Eltern telefonieren und sich mit ihnen freuen. Ansgar nimmt an. In Münster leben 320 000 Menschen und 62000 Studenten. An der staatlichen Kunstakademie werden jedes Jahr 40 Studenten aufgenommen, 360 sind es insgesamt. Die Hälfte studiert auf Lehramt, zitiert Ansgar die Zahlen. Die andere Hälfte studiert auf freie Kunst. So wie Ansgar ab dem Wintersemester. Schließlich klebt auf seiner Mappe der grüne Aufkleber für „ja, angenommen“. Es ist die klassische Variante der Unterscheidung: Roter Aufkleber bedeutet „abgelehnt“. Ansgars Ziel ist, von seiner Kunst leben zu können. Der Plan sieht so aus: Hochschule nach der Regelstudienzeit von zehn Semestern abschließen, Auslandsjahr und Arbeit in einer Galerie; Kontakte knüpfen, etwas von der Welt sehen. Gerne garniert auch mit etwas Sicherheit. Galerien bieten Künstlern zwei Varianten: entweder ein festes Gehalt oder eben 50 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf der Kunst bleibt bei der Galerie, die dafür die Vermarktung übernimmt. Ansgars Bilder sind schon zu sehen – in Meiningen, seiner Heimatstadt, in einer eigenen Ausstellung; am Tegernsee bei einer Kunstmesse. Der Besuch von Kunstmessen ist auch gut, zum Tegernsee kommt interessantes Publikum, sagt er. „Aber Kunstmessen kosten viel Power.“ Seine Wunschvorstellung: In zehn Jahren von seiner Kunst leben können mit einem guten Gehalt in einer Galerie. Und was, wenn seine Kunst nicht ankommt? Er nicht davon leben kann? Sein Plan B sieht die Option als Kunstlehrer (Quereinsteiger) oder ein Designstudium vor. Auftragsmalerei gehe nicht; und wenn doch, dann nur bei einem Engagement an einem Theater, wenn es um die Gestaltung von Kulissen geht. Verbiegen werde er sich nicht, nur um ein Bild zu verkaufen. „Das würde meine Seele als Künstler zerstören.“

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